Los Angeles: Paul Schneider berichtet aus Los Angeles (California / USA)
Besucht uns auf:

Warum will man eine Sprachreise machen? Natürlich um Land und Leute zu sehen und nebenbei auch noch ein bisschen seine Sprachkenntnisse zu verbessern.

Da schien mir Los Angeles als ein nahezu perfektes Ziel für den ersten Urlaub so weit von zu Hause entfernt – und ohne Eltern. Das Wetter ist toll und mit Hollywood und seiner Lage am pazifischen Ozean selbstverständlich auch sehr attraktiv. Dann hieß es nur noch, die Eltern von der Idee zu überzeugen und jemanden zu finden, der mitkommen will, weil ich dachte, dass es alleine etwas schwierig werden könnte – diese Annahme hat sich aber absolut nicht bestätigt. Man findet sich auch allein in Los Angeles super zurecht und auch Freunde in der Schule sind so schneller gefunden, wenn man noch nichts mit seinem Reisepartner geplant hat. 

Nachdem die Eltern einverstanden waren, ging es am 04.08. sehr früh los zum Dresdener Flughafen. Erst als ich im Flugzeug von Dresden nach Frankfurt saß, konnte ich erst begreifen, dass es jetzt so richtig los geht – in den Sommer meines Lebens! Nach der Zwischenlandung am Frankfurter Flughafen ging es dann direkt nach Los Angeles. Schlafen konnte ich auf dem sehr langen Flug (ca. 10h) nicht wirklich – viel zu aufgeregt war ich. Als wir endlich da waren, mussten wir noch durch den Sicherheitscheck und haben uns dann gleich ein Taxi zur Gastfamilie genommen. Dort angekommen, wurden wir von der vorhergehenden, ebenfalls deutschen Gastschülerin begrüßt, da unser Gastvater als wir ankamen noch auf Arbeit war (der Flieger war mittags um 12 in LAX – hatten wir aber vorher schon per Mail abgeklärt) und haben dann unsere Koffer abgestellt und sind schon einmal ein bisschen durch Hollywood gelaufen. Unser Haus war direkt in diesem Stadtteil – ganz nahe am WalkofFame. Als wir da so gemütlich und durch die Zeitverschiebung völlig übermüdet drüber geschlendert sind, konnte man es noch kaum fassen – alles, was man sonst nur aus Film und Fernsehen kannte, war zum Greifen nah. Nach ca. zwei Stunden ist dann auch unser Gastvater,  John, heimgekommen. Wir hatten also keine klassische „Familie“, sondern eben „nur“ ihn, was aber überhaupt keine Nachteile hatte. Er ist, wie beinahe alle Einwohner Los Angeles‘, ein ganz offener und hilfsbereiter Mensch und alle zusammen sind wir gleich mit dem Fahrrad durch die Stadt gefahren, um etwas zum Essen einzukaufen und Handy,- sowie Buskarten zu holen. Natürlich hat er uns auch alles gezeigt und erklärt –eigentlich war es ein ganz normaler, mittelständischer Haushalt, das Haus war schön eingerichtet sauber und zudem mit überdurchschnittlich vielen Fernsehern versehen. Auch unser Zimmer war schön und das Bad auch sehr sauber und ordentlich. Auch Pepper, seinen Hund, der ein ganz ruhiger war, hat er uns vorgestellt und wir konnten uns gleich mit ihm anfreunden.  Nach uns ist noch ein weiterer Gastschüler aus Venezuela angereist, mit dem wir aber außer zum Tennisspielen und einem Baseballspiel mit ihm und John, nicht so viel zu tun hatten, da er sehr ruhig und schüchtern war.  Zum ersten Abendbrot gab’s Tacos. Allgemein haben wir viel mexikanisch gegessen, da John, wie viele Einwohner der Stadt, ein mexikanischer Einwanderer ist (Vieles ist auch, wie beispielsweise in Bussen, auf Spanisch erklärt.). Oft sind wir auch in Restaurants gewesen, um chinesisch, Pizza oder die verschiedenen Fastfood Ketten, die super leckere (aber auch sehr fettige) Chiliburger servieren – muss man unbedingt mal getestet haben, auszuprobieren.Außerdem haben wir auch viel Chicken – selbst gegrillt oder gekauft, gegessen.  Verhungern muss man in L.A. wirklich nicht – es gibt an jeder Ecke allesmögliche zu kaufen. Abends haben wir immer zusammen gegessen, das Frühstück konnten wir uns selbst zusammenstellen (der Kühlschrank war immer voll – John hat auch immer wieder gefragt, ob wir noch etwas brauchen, was nicht im Haus ist. Und mittags haben wir meist in die zahlreichen Restaurants rund um Westwood, wo sich  die Schule befand, ausprobiert. Am folgenden Sonntag sind wir erst mal an den Strand in Santa Monica, was mit dem Bus ca. 1 ½ Stunden pro Fahrt in Anspruch nimmt, gefahren. Wegen den extrem großen Entfernungen in Los Angeles, ist es absolut empfehlenswert, wenn irgendwie möglich, ein Auto zu leihen – jedoch ist das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch sehr spannend, da man so mit den unterschiedlichen Lifestyles und nicht zuletzt mit der Offenheit der Einwohner in Kontakt kommt – man wird im Bus garantiert angesprochen! Die Fahrt nach Santa Monica war es aber absolut wert, genau wie alle anderen Ausflüge, die wir unter anderen nach Downtown, Chinatown, nach Long Beach zur Queen Mary, zu den Universal Studios und zum Dodgers-Baseballspiel mit unserem Gastvater, zu Madame Tussauds, zum Rodeo Drive, ins Guinness World Records Museum, ins LACMA, ins Petersen Automotive Museum,unternommen haben. Ein besonderes Highlight war eine Fahrradtour in der Dämmerung zum Observatory, von wo man einen tollen Blick über das Ausmaß der gesamten Stadt hat, die auch im Horizont noch nicht endet und auch das berühmte Hollywood-Sign konnte man so von relativ geringer Entfernung im Sonnenuntergang beobachten. Besonderen Spaß machte die Fahrt im Dunklen nach Hause, wo John schon mit dem Abendbrot auf uns wartete. Die Sternverleihung auf dem WalkOfFame war auch so faszinierend, dass man nicht glaubte, dass man wirklich dabei ist. Auch die von der Schule angebotenen Ausflüge in den Yosemite Nationalpark und nach San Francisco haben sich absolut gelohnt, wobei der Nationalpark im Frühjahr durch die Wasserfälle noch interessanter ist, aber selbst die Mammutbäume waren schon überwältigend. San Francisco ist echt sehenswert, aber der absolute Kontrast zu Los Angeles – es ist vergleichsweise kalt (ca. 14°C im August – in L.A. waren es täglich über 30°C, niemals gab es Regen und nur 2 Tage waren am Morgen leicht bewölkt) und die Skyline am Wasser kann man in L.A. auch nicht so beobachten, wie im hügeligen und oft nebligen San Francisco.

Auch mit der Sprachschule war ich absolut zufrieden! Am ersten Tag hat uns unser Gastvater erst einmal dorthin gefahren und wir haben die Unterlagen abgegeben, sowie einen Einstufungstest gemacht. Ich bin in der Advanced-Stufe in der Afternoon-Class gelandet, wo wir Themen wie Globalization und Social Media durchgenommen haben, jeweils kombiniert mit neuen sprachlichen, wie grammatikalischen Phänomenen. Was außerdem eine ziemliche Herausforderung darstellte, waren die „Speaking-Exams“ auf TOEFL-Niveau. Unser Lehrer war auch sehr kritisch dem gesellschaftlichen und politischen System der USA gegenüber eingestellt und so konnte man auch die negativen Seiten des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten miterleben, genau wie aus den Gesprächen mit dem Gastvater. Ich kann die Gastfamilien nur empfehlen – man hat in den Apartments zwar auch viel Spaß mit anderen Gleichaltrigen im Zimmer, wie mir berichtet wurde, aber dann kann man nicht so viele Erfahrungen über den L.A.-Lifestyle mitnehmen. In meiner Klasse waren immer so zwischen 10 und 15 Leuten – je nachdem, wer grade fehlte, was ganz normal war. Am Ende musste man 80% Anwesenheit erreichen, jedoch muss man auch mal einen Tag frei nehmen, um entspannt an den Strand in Santa Monica oder Long Beach zu fahren, da die Entfernungen so groß sind. Dazu war auch die Afternoon-Class geeignet, wo wir jeweils von 14.00 – 17.00 Uhr in 1 ½ Stunden Blöcken mit Pause dazwischen, gelernt haben. In der Morning-Class hätte man zu einer unmenschlichen Zeit aufstehen müssen, da diese schon um 8 begann und man von Hollywood nach Westwood mit dem Bus um diese Uhrzeit schon eine Stunde braucht. Auch die Leute in meiner Klasse waren gut drauf, aber alle älter als ich mit meinen 16 Jahren.

Nach 4 Wochen Los Angeles, die wie im Fluge vergangen waren, mussten wir auch schon wieder abreisen. Der Abschied fiel uns schon sehr schwer, da wir John und Pepper, mit dem wir nicht nur beim Essen ganz viel Spaß hatten, weil er immer ganz heiß auf das Fleisch war, schon ins Herz geschlossen hatten. Für den Weg zum Flughafen haben wir den Bus genommen – nun war das kein Problem mehr für uns – wir kannten uns ja aus. Dort haben wir noch einmal unsere Erlebnisse den anderen Fahrgästen kundtun dürfen, da die wieder einmal das Gespräch suchten (man hatte auch den Eindruck, sobald man erwähnte, dass man Deutscher ist, war man gleich noch willkommener). Von Downtown gab es dann einen Shuttleservice zum Flughafen – ein echtes Schnäppchen im Vergleich zum Taxi bei der Ankunft. Auch die Monatsbuskarte hat sich gelohnt – man bezahlt sonst für jede Fahrt, egal wie lang, 1$. Sonst, und dabei meine ich vor allem die Lebensmittel, ist das Preisniveau eher der Oberschicht in Beverly Hills angepasst, was die sozialen Kontraste der Stadt nicht gerade beseitigt. Aber all diese Erfahrungen von unverlässlichen öffentlichen Verkehrsmitteln, von Obdachlosen vor einer Villa in Beverly Hills und traumhafte Momente, wie ein Konzert am Santa-Monica Pier im Sonnenuntergang am letzten Abend, sollte ich schon bald wieder vermissen – als ich im Flieger zurück nach Frankfurt saß. Da wäre es mir lieber gewesen, der Flugbegleiter-Streik hätte auch unseren Rückflug betroffen, das hätte auch John wahrscheinlich nichts ausgemacht. ;) Aber so hieß es

„Bye, bye Hollywood Hills I'm gonna

miss you wherever I go I'm gonna

come back to walk these streetsagain

Bye, bye Hollywood Hills forever .”

Nur das „forever“ stimmt nicht ganz – ich komme auf jeden Fall wieder nach Los Angeles, aber erst wenn ich über 21 bin. Dann miete ich mir ein Auto und probiere auch die zahlreichen tollen Clubs in Hollywood und Santa Monica aus, in die wir leider nicht hineinkamen, was sehr schade war, da sie ja soooo nah waren! Ach ja .. das Arc Light Cinema in Hollywood ist auch noch, grade für Jüngere, als Abendgestaltung empfehlenswert. Es ist  das wohl bequemste Kino überhaupt mit einer der größten Leinwände!Die Clubs und einen Ausflug nach Las Vegas, was gar nicht so weit weg ist, werde ich dann auf alle Fälle nachholen!

Am 02.09. sind wir abends in Dresden angekommen, die auch mit dem Auto eigentlich relativ lange Fahrt (1 ½ h) zu unserem Heimatort nahe der Tschechischen Grenze kamen uns vor, wie der Weg von Hollywood zum Santa Monica Pier und am nächsten Tag saßen wir schonwieder in der Schule und die Realität hatte uns wieder – nachdem wir von der Traumwelt von L.A. beeindruckt wurden.

Aber eine Sprachreise kann ich nur jedem empfehlen, ob es nun L.A. oder einen andere großartige Stadt ist. Ich bin sicher, man kann überall sehr viel Spaß haben, wenn man nur Lust darauf hat!